Im letzten Blog sagte ich, ich könnte noch ewig weiterschreiben über Essen, Biorythmus, Trinkwasser, Tiere, Entfernungen/Isolation,…, deshalb fahre ich direkt an dieser Stelle fort.
Was das Essen angeht haben wir, und ganz speziell ich, riesiges Glück, denn im Center gibt es eine Küche, in der unsere zwei Köchinnen Luciana und Larissa mittags und abends lecker und frisch kochen. Mittags heißt hier 11 Uhr und abends 18 Uhr, was eine Herausforderung für uns ist, da so zwischen Frühstück und Mittagessen nur knapp 3 Stunden liegen. Deshalb verzichten wir aufs Frühstück und essen dafür 2x warm. Es gibt dann immer Reis + Bohnen und dazu Fleisch und verschiedene Gerichte am Buffet. Die Nebengerichte können Kürbis, Kartoffeln, Nudeln, Salate und mehr sein. Das ist für mich super, da es sehr viele vegane Optionen gibt und ich davon gut satt werde, außerdem ist das Essen immer sehr lecker und besonders die regionalen Gemüse, wie Kürbis, sind richtig gut. Apropos regionale Früchte: Seit einigen Tagen kann man hier an jeder Ecke Mangos vom Baum pflücken und essen.


Hier im Center gibt es 2 Mangobäume, allerdings muss man noch gut gucken, welche reif sind und welche nicht. Allerdings lohnt es sich, denn die reifen sind wirklich süß, saftig und lecker. Aber man sollte sie immer vorm Essen abwaschen, obwohl sie unbehandelt sind. Manche sagen man soll sogar mit Trinkwasser waschen, aber da gehen die Meinungen auseinander. Da sind wir auch schon beim Wasser, wir haben hier fließendes Wasser aus einem Fluss in der Nähe, es sieht aber immer sehr gut und klar aus, weshalb man auch damit Zähne putzen kann. Trinkwasser muss aber immer in großen Kanistern gekauft und hergebracht werden, da wir schnell mal 3 Liter am Tag trinken.
Nächster Punkt: Tiere. Als Isabel und Charlotte angekommen sind, hat sich gleich am Anfang unser Faultier George im Center gezeigt, als Felix ankam kamen die Affen bis in die Bäume am Center und man konnte sie von den Cabins sehen. Aus diesem Grund habe ich dann auch gehofft, gleich auf der Anreise große, wilde Säugetiere zu sehen. Aber ganz so spektakulär war meine Ankunft nicht.
Stattdessen wurde mir in Rio erzählt, dass im See/Bucht, den man von der Wohnung sehen konnte, Krokodile leben. Gesehen habe ich keine.
In einem See in der Nähe vom Center soll ein Capibara leben. Hat noch keiner gesehen.
Die Kamerafallen von Iracambi zeichnen immer wieder viele Tiere, wie Ozelot, Jaguar, Margay, Gürteltier, Waschbär und Puma auf. Aber natürlich habe ich auch die noch nicht gesehen.

Klingt vielleicht doof, aber nein, stattdessen habe ich gelernt, wie viele etwas weniger spektakuläre Tiere um das Center leben: Allerlei Käfer (grün, schwarz, braun, rot), Frösche/Kröten (sogar transparent), Giftschlangen (sorry Mama), Varane, Eidechsen, tausende Vögel von Kanarienvogel bis Penelope (heißt wirklich so), viele Schmetterlinge (schwarz, gelb, rot, gemustert, …), Zikaden (nicht zu überhören). Und das waren nicht mal alle, die täglich im Center herumlaufen (oder fliegen oder schlängeln oder krabbeln).













Da es wie gesagt auch gefährliche Tiere (wie Schlangen, Spinnen, Moskitos und Skorpione) gibt, muss man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen. Bspw. lange Klamotten (trotz der Hitze!) oder Spray gegen die Moskitos, feste Schuhe gegen Bisse, nachts nur mit Taschenlampe rumlaufen (auch wenn man den Weg kennt) oder wie man die Schuhe an die Wand stellt, damit nichts reinkrabbeln kann.
Aber das Schöne ist, die ungefährlichen Tiere kann man ohne Angst überall um sich herum beobachten. Und so konnte ich mit der Zeit immer spektakulärere Tiere sehen: Nach einer Woche waren wir im Wasserfall baden (siehe Instagram) und auf dem Rückweg haben wir links neben der Straße auf einem Baum einen Tukan gesehen, super aufregend und spannend so ein Tier einfach so in der Wildnis zu sehen, da man es nur aus Fotos oder dem Zoo kennt. Am nächsten Tag waren wir dann nochmal am Wasserfall und wieder haben wir auf dem Rückweg zur etwa gleichen Zeit am gleichen Ort einen Tukan gesehen und noch einen und noch einen … An dem Tag haben wir nacheinander etwa 15-20 Tukane in einer Art Schwarm gesehen. Sie sind meist von Baum zu Baum geflogen und wir standen daneben und haben nur gestaunt, da niemand wusste, dass Tukane in so großen Gruppen auftreten. Außerdem sind Tukane einfach wunderschöne Tiere, das Gefieder sieht so schon gepflegt und glatt aus, als hätten sie einen Smoking an, und der Schnabel ist natürlich unfassbar, nicht nur weil er so riesig ist sondern auch weil er wirklich tolle leuchtende Farben hat. Man kann auch immer im Schnabel einen Farbverlauf vom gelb zu rot sehen. Einfach wunderschön!


Hier sieht man gut, was ich meine. (https://s3.animalia.bio/animals/photos/full/original/toco-toucan-ramphastos-toco-in-papaya-tree-carica-papaya.webp)
Da ich jetzt alles Versprochene nachgeholt habe, springen wir in der Zeit wieder zu meiner Anfangsphase, in meine erste Arbeitswoche hier. Wie schon erzählt habe ich da unter anderem die Seepromeade in Rosário da Limeira bepflanzt. Allerdings war das nicht das Spannendste, denn am Sonntag kam eine Studiengruppe aus Finnland mit 13 Studierenden zu uns. Sie haben in Brasilien Urlaub zusammen gemacht und sind auf Iracambi aufmerksam geworden und haben sich dann gedacht, dass das ein tolles Abenteuer sein wird. Deshalb haben sie beschlossen, 5 Tage bei uns in Iracambi zu verbringen. Dabei haben sie dann auch hier übernachtet und die gleiche Arbeit wie wir gemacht. Allerdings wurden sie dabei immer viel an die Hand genommen und wir haben eigentlich nie zusammen gearbeitet und uns dann nur zum Essen und abends gesehen. Trotzdem war es eine schöne Abwechslung, auch wenn wir darunter gelitten haben, dass es so voll war, denn Iracambi ist eigentlich unser ruhiger, verlassener, heiliger Ort. Übrigens waren seit mehreren Jahren nicht mehr so viele Leute gleichzeitig im Center, wie zu diesem Zeitpunkt. Es war also für alle sehr ungewohnt, dass so viel los war.
In den Wochen seitdem ist aber wieder alles normal und entspannt. So konnte ich mich zwar etwas verzögert, aber stetig an den Alltag mit Tages- und Wochenablauf gewöhnen. Ein paar Highlights der Arbeit möchte ich hier auflisten:
Am vom CNN ausgerufenen Call To Earth Day haben wir mit einer Schulklasse das Müllhäuschen unserer Umgebung aufgeräumt. Dort bringen alle Anwohner der ländlichen Gegend von Rosário da Limeira ihren Müll hin, von wo dieser dann entsorgt wird. Allerdings war es dort extrem dreckig, um das Häuschen lagen hunderte bis tausende Scherben von Fliesen und einiges an Plastikmüll. Zusammen mit den Kindern haben wir dann den Müll, der um das Häuschen herum auf dem Boden lag, aufgesammelt und ein paar Schilder bemalt, damit das Häuschen ein wenig schöner und liebevoller aussieht. Dabei haben wir die Hoffnung, dass die Leute mehr auf ein schönes Müllhäuschen achten und ihren Müll korrekt wegwerfen. Vielleicht habt ihr den Instagrampost dazu schon auf dem Kanal von Iracambi entdeckt, wenn nicht hier einmal zur Visualisierung.
Ein anderes Mal sind wir in die Schule von Belisário gefahren um Cultural Exchange mit den jungen Schulkindern zu betreiben, dabei haben wir jeweils Länder, Natur und Kulturen vorgestellt und beim letzten Mal haben die Kinder uns ihre Herkunft und Kultur vorgestellt. Es war süß zu sehen, wie sich die Kinder über uns gefreut haben und wie sie sich Mühe gegeben haben uns alles zu erklären. Danach gab es noch brasilianische Snacks und wir haben ein bisschen traditionell gespielt und getanzt. Auch wenn nicht alle von uns Deutschen so schnell davon begeistert waren, dachte ich, es sei schön die Chance zu nutzen, um von den Einheimischen zu lernen und mit ihnen zusammen Spaß zu haben.
Die häufigste Arbeit der letzten Wochen war das Kümmern um die Setzlinge in der Nursery und das Aussetzen dieser. Dazu waren wir immer bei Pierre, einem Franzosen der vor einiger Zeit als Freiwilliger hier zu Iracambi kam und jetzt versucht eine nachhaltige Kaffeplantange (Agroforestry) aufzubauen. Deshalb haben wir häufig endemische Bäume wie Papaya und eben den nicht endemischen Kaffee gepflanzt, damit eine Mischung entsteht, wo sich im besten Fall die endemischen Tiere dennoch wohlfühlen können. Die Arbeit dort ist sicherlich nicht die schönste und abwechslungsreichste Arbeit, da sie nur aus 3 Schritten besteht, die man entweder immer wiederholt oder sich untereinander aufteilt und nur einen Schrittt immer wieder wiederholt. Zuerst macht man ein Loch, dann setzt man den Setzling ein und dann schließt man das Loch wieder mit der Erde. Am besten wäre es, dann noch anzugießen, aber dafür fehlt Zeit und Wasser, deshalb pflanzen wir vorrangig in der Regenzeit aus, da so in der Regel ausreichend natürlich gegossen wird. Das Schöne an der Arbeit ist aber, dass man die ganze Zeit draußen in der Sonne ist und das mit einem unglaublichen Ausblick auf die umliegende Gegend mit viel landwirtschaftlicher Fläche aber auch mit Teilen des Nationalparks und einigen Bergen.

Eine Sache die sicher ungewohnt aber irgendwie nicht komisch war, war die Adventszeit in einer fremden anderen Welt. Ich bin ja am 27.11 in Iracambi angekommen, das heißt gleich nach ein paar Tagen begann der Advent. Eine schöne Überraschung war ein digitaler Adventskalender von meinen Eltern. Darin befanden sich jeden Tag tolle Worte, Bilder und Erinnerungen. Das wäre sicherlich auch in Deutschland schön gewesen, aber hier in Brasilien hat es nochmal besser getan, denn das war wahrscheinlich der persönlichste Adventskalender, den ich je hatte und es hat sich einfach nach Zuhause angefühlt, wenn ich mir jeden Tag das aktuelle Türchen angeschaut habe und mich zurückerinnern konnte, mich geborgen fühlen konnte, mich in Zeiten sehen konnte, die ich gar nicht mehr kenne, Dann habe ich immer gemerkt, dass an mich gedacht wird. Deshalb wurde auch nicht die Befürchtung bewahrheitet, dass das Fest der Liebe und des Zusammenseins bei mir die Einsamkeit und das Heimweh verstärken würde (davor hatten viele gewarnt), denn ich hatte immer das Gefühl, da zu sein wo ich gerade hingehöre, und dass alle, die mir lieb sind, ganz nah sind und mich bei dem unterstützen, was ich tue.
Allerdings kam dann doch Trauer auf, nicht wegen Heimweh oder anderen Problemen, sondern weil Ben, ein anderer Deutscher, der schon seit geraumer Zeit als Freiwilliger in Iracambi war, wieder zurück nach Deutschland musste. Wir alle haben uns richtig gut miteinander verstanden und sind gute Freunde geworden. Für die anderen war der Abschied wohl noch schwerer als für mich, denn ich kannte ihn da nur für wenige Wochen und die anderen kannten ihn schon seit Monaten. Isabel hat zum Abschied auch ein richtig süßes Video für ihn zusammengeschnitten mit unseren besten Erinnerungen.
Eines der letzten Erlebnisse, das ich mit ihm hatte, war das Churrasco (BBQ) mit vielen Kolleginnen von Iracambi. Auch wenn es eigentlich nur Feisch auf dem Grill gibt, konnten wir dafür sorgen, dass auch Aubergine und Zucchini gegrillt wurde. So hatte ich dann auch was davon. Aber nicht nur das Essen und die Leute waren toll, sondern auch die Lage, denn der Garten in dem wir gegrillt haben hatte auch einen Wasserfall. Also eine richtig tolle Kulisse. Wir hatten zwar erst Schwierigkeiten, das Feuer bzw. die Glut anzukriegen, aber als das geschafft war, wollte der Grill gar nicht mehr ausgehen und hat uns das ganze Häusschen zugeraucht.

Und mit solchen Beschäftigungen haben wir uns dann die Adventszeit rumgeschlagen. Wir waren auch noch auf einem kleinen Dorffest in Rosário da Limeira, haben Lagerfeuer gemacht, Mangos gegessen, immer wieder gebadet und dann war auch schon Weihnachten. Und jetzt machen wir hier zu dritt Urlaub in Cabo Frio an der Küste, da Isabel bei ihrer brasilianischen Familie feiert. Also heißt es für uns Weihnachten und Neujahr am Strand! Wie das ausgesehen hat erzähle ich dann beim nächsten Mal.
Ich hoffe ihr hattet alle schöne Festtage und konntet die Zeit genießen. Rutscht gut ins neue Jahr! Und bis bald
Euer Emil

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