Dieses Mal geht es um meine Osterferien, ein neues Tier und eine Wiedervereinigung. Und damit muss ich den Spannungsbogen vom letzten Mal auflösen: Die Osterferien habe ich mit Isabel, Charlotte und Familie von Isabel verbracht. Dazu sind wir zuerst wieder nach Campinas gefahren, wo wir schon Isabels Geburtstag gefeiert haben. Dafür mussten wir den Nachtbus nach São Paulo nehmen und sind von dort in 2 Stunden bei Isabels Tante angekommen.

Blick aus dem Airbnb

Dort mussten wir uns für eine Nacht ein Airbnb buchen und haben erst einmal alle wiedergetroffen. Ich war ja schonmal zu Besuch, als Isabel Geburtstag gefeiert hat. Daher kannte ich schon einen Großteil der Familie. Den Abend haben wir noch zusammen verbracht und sind am nächsten Morgen dann zusammen weiter in ein Ferienhaus gefahren. Der Onkel besitzt ein Wochendhäuschen dort in der Gegend und da es auch mietbare Ferienhäuser in der Nähe gibt, haben wir uns diesen Ort ausgesucht, um Ostern miteinander zu verbringen.

In dem Häuschen haben wir drei mit Isabels Eltern übernachtet, der Rest hat im Wochendhäuschen und Hotel übernachtet. Unser Haus war aber das schönste, da es direkt am See liegt und mit Stand-Up-Paddle Board und Kayak ausgestattet ist. Darum haben wir auch das tolle Wetter genutzt, um im Wasser zu schwimmen und Spaß zu haben. Das Wetter war wirklich hervorragend: nur Sonne und um die 30°, das Einzige, was dann stört, sind die Mücken, die morgens und abends zur Dämmerung zu Tausenden rauskommen. Dennoch war es ein wunderschönes Ambiente dort. Am Ostermontag kamen dann noch mehr von Isabels Verwandten vorbei um gemeinsam in großer Runde zu feiern.

Besonders traditionell oder reich an Bräuchen war das Ostern, das wir gefeiert haben zwar nicht. Eine Sache wurde allerdings befolgt, und zwar wurde sich gegenseitig viel Schokolade geschenkt. Sogar ich habe was bekommen obwohl ich ja noch recht fremd bin und nicht zur Familie gehöre. Allerdings haben mir alle das Gefühl gegeben, dass ich auch ein Teil der süßen Familie bin. Angefangen damit, dass wir überhaupt eingeladen wurden, zu kommen, aber auch, dass ich bei allen Aktivitäten dabei war und ein Stück weit gebonded habe. Es war wie ein schöner Ersatz für meine Familie. Natürlich war es anders, aber ich habe mich dort genauso willkommen gefühlt, was ich sehr wertschätze. Später am Tag sind wir dann noch zusammen essen gegangen.

Das Restaurant lag sehr schön auf einem Kaffeeberg und hatte auch Bereiche zur Unterkunft und zum Baden, allerdings war das zeitlich nicht mehr drin :(. Nachdem wir abends noch ein bisschen am Lagerfeuer gesungen haben und nette Gespräche geführt haben, mussten wir leider am nächsten Tag wieder abreisen. Über Campinas, São Paulo und Muriaé sind wir mit Schwierigkeiten wegen verspäteten Bussen gerade so noch gut angekommen und müde ins Bett gefallen.

Der Blick aus unserem Haus am See

Das größte Geschenk zu Ostern habe ich mir selber gemacht, und zwar habe ich am Ostersonntag endlich die 365 Tage Duolingostreak geknackt!! Wuhuu! In Portugiesisch natürlich.

Zurück in Iracambi hab ich viele neue Schilder bemalt, zum Beispiel zu „Pata de vaca“ und „Cana de macaco“, zwei Pflanzen die je nach Tieren benannt wurden. Die Übersetzung ist jeweils „Kuhfuß“ und „Affenrohr“. Denn die eine Pflanze hat Blätter, die aussehen, wie die Paarhufe einer Kuh, bzw. wie dessen Fußabdruck, und die andere heißt so, da sie äußere Ähnlichkeiten zum Zuckerrohr hat und sich in sehr gleichen Bedingungen wohl fühlt wie Affen, deshalb sieht man auch häufig Affen dabei wie sie die Früchte des „Cana de macaco“ fressen.
Außerdem steht immer wieder die Arbeit in der Nursery an, denn es müssen immer neue Pflanzensäckchen mit Erde befüllt werden oder Unkraut gejähtet werden.

Inzwischen fällt uns der Übergang zwischen Urlaub und Arbeit recht einfach, da sind wir ja inzwischen recht geübt ;). Dementsprechend haben wir dann auch wieder gut in den Alltag gefunden, während Isabel noch mit ihrer Mutter zusammen unterwegs war. Allerdings kam dann etwas auf uns zu, das auf keinen Fall zum Alltag gehört. Immer wieder werden um Iracambi herum Faultiere gefunden, die auf der Straße liegen und etwas Hilfe brauchen. Manche müssen nur wieder an den Straßenrand oder in einen Baum gesetzt werden, aber andere sind verletzt und brauchen die Hilfe von einem Tierarzt. Allerdings ist das seltsamerweise immer vorgekomen, wenn ich unterwegs war oder noch bevor ich überhaupt in Brasilien angekommen bin. Deshalb habe ich bisher noch kein einziges Faultier gesehen :(. Allerdings sollte sich das ändern, denn eine Schülerin hat bei Iracambi angerufen, da sie in ihrem Vorgarten an einer stark und schnell befahrenen Straße ein Faultier gefunden hat, welches leicht im Gesicht verletzt wurde. Daraufhin haben wir uns mit dem Auto auf den Weg gemacht, dem Faultier zu helfen. Angekommen haben wir die vermutete Faultierdame in einem Nadelbaum an der Straße gefunden, dort hat sie es sich sehr gemütlich gemacht. Allerdings war es dort für sie nicht sicher, da statt Wald nur Straße und Häuser in der Nähe waren. Aus dem Grund, dass sie noch im Gesicht verletzt war, haben wir uns entschieden, sie mit nach Iracambi zu nehmen und einen Tierarzt zu rufen, der dort einen Blick auf sie werfen kann.
Mit etwas Mühe konnten wir sie aus dem Baum in eine Kiste und so ins Auto setzten. Das Auto hat sie neugierig erkundet und sich alles genau angeguckt.

Das erste Faultier, das hier in Iracambi vorbeigeschaut hat, wurde liebevoll George getauft und seitdem ist George für uns mehr oder weniger zum Namen der Art geworden, weshalb jedes Faultier bei uns jetzt Goerge heißt, auch diese Faultierdame. Faultier heißt auf Portugiesisch übrigens „bichu-preguiça“, also „Faulheitstier“, ganz ähnlich wie im Deutschen also.

Unsere George wollte leider nicht auf den Tierarzt warten und hat sich stattdessen ein Loch im Käfig gesucht und sich in die verdiente Freiheit begeben. Es wäre vielleicht besser gewesen, sich nochmal durchchecken zu lassen, aber ich kann George schon verstehen, warum sie lieber in Baumkronen als in dem kleinen Käfig chillt. So wurde es dann auch überfällig den Tierarzt kommen zu lassen und wir haben stattdessen alle unsere guten Wünsche hinterhergeschickt.

Foto von Isabel

Zum Abschluss des Monats gab es eine gemeinschaftliche Aktion bei Pierre. Es wurden allerlei Leute eingeladen, um zusammen einen Tag lang bei Pierre auf dem Feld bei der Kaffeeernte zu helfen. Solche Gruppenaktionen nennt man „mutirão“. Dabei konnte noch mal eine Menge Kaffe zum Ende der Erntesaison eingetütet werden. Dieser muss dann nur noch sortiert, getrocknet, geschält, geröstet und verpackt werden, natürlich mit sehr vielen Zwischenschritten. Bei der Gruppenaktion konnte ich leider nicht dabei sein, denn ich war mit etwas ganz wichtigem eschäftigt.

Ich war zu der Zeit (mal wieder) auf dem Weg nach Rio, denn dort sind am Abend meine Eltern und mein Bruder aus Deutschland gelandet, um mich endlich mal wieder zu sehen. Es war schon von Anfang an geplant, dass sie mich besuchen, um das tolle Land und meine Arbeit selber mal kennenzulernen. Nach langer Planung haben wir uns eine schöne Reise geplant, bei der wir unter anderem in Iracambi vorbeikommen. Touristische Ziele waren natürlich auch ausreichend dabei. Nach 5 langen Monaten, langer Anfahrt nach Rio und langer Wartezeit am Flughafen sind mir die drei dann glücklicherweise wohlauf in die Arme gelaufen und es gab natürlich ein emotionales Wiedersehen. Auch wenn ich hier viel habe, das mich glücklich macht, gab es für mich trotzdem nichts, was mir meine liebsten Personen ersetzen konnte. Das Schöne ist auch, dass alle drei für insgesamt 3 Wochen hier bleiben konnten, wir hatten also genug Zeit, um uns viel in den Armen zu liegen, aber auch um schöne Orte des Landes zu sehen. Mit diesem vorfreudigen Gefühl saß ich schon im Bus nach Rio und so ging ich dann auch in die 3 Wochen Urlaub rein.

Der erste brasilianische Caipirinha

Wiedervereint geht es also in den gemeinsamen Urlaub. Alles über diese Zeit beschreibe ich dann im nächsten Beitrag. Ich hoffe, Dir hat auch dieser Blog gut gefallen und Du hast ein bisschen Interessantes aus meinem Freiwilligendienst mitnehmen können. Schreib doch mal in die Kommentare, was Dich am meisten interessiert hat oder was Du noch wissen willst.

Euer Emil


2 Antworten zu „Das erste Treffen mit George!“

  1. Avatar von JD
    JD

    Wie schön, dass du zu Ostern so liebe Menschen um dich hattest – und dann auch noch dein erstes Faultier getroffen hast! George/Georgina sieht wirklich großartig aus.

    Ich hoffe, du hattest eine wunderbare Zeit mit deiner Familie und ihr konntet gemeinsam viele unvergessliche Momente erleben.

    Danke, dass du uns immer so lebendig mitnimmst – freue mich schon auf den nächsten Bericht!

  2. Avatar von A.L.
    A.L.

    365 Tage Duolingo? Glückwunsch! 🎉
    George hat es mir ja angetan…ich würde sooo gerne auch Mal ein Faultier sehen. Leider hat sich George uns nicht gezeigt 😞
    Toll, dass wir jetzt so oft von dir lesen…

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