Nach meinen ersten Tagen hier im Alltag bei Iracambi möchte ich euch gerne einmal einführen: Ich übernachte hier bei Iracambi im Research Center im Atlantischen Regenwald (siehe Bild), jeden Tag arbeiten wir etwa von 9-17 Uhr an verschiedenen Projekten, wie Plant Nursery, Reforestation Work, Agroforestry, Destillation, Young Ecoleaders oder Cultural Exchange.

Plant Nursery: Hier kümmern wir uns um die kleinen Setzlinge, die später eingepflanzt werden und dort den Regenwald zurückbringen sollen. Hier wird aus dem Samen ein jugendlicher Setzling.
Reforestation Work: Wir fahren mit den Setzlingen an Orte, an denen wir wiederaufforsten dürfen, wo wir diese dann einpflanzen und schließlich düngen und gießen.
Agroforestry: Eine besondere Form der Wiederaufforstung. Hier versuchen wir nicht 100% echten Regenwald zu kultivieren, sondern eine Alternative, die Lebensraum und mehr zurückbringen kann, aber auch Ertrag, wie Obst, für den ansässigen Bauern oder Bäuerin bringen kann.
Destillation: Meist kommen hierfür Gruppen zu Iracambi. Mit ihnen stellen wir dann aus heimischen Pflanzen aus der Region ätherische Öle her, woraus dann Parfüm, Seife, etc. gemacht werden kann. Ziel ist hier, das Bewusstsein für die Natur in der Umgebung zu stärken.
Young Ecoleaders: Eine Gruppe von jungen SchülerInnen absolviert über ein halbes Jahr dieses Programm bei uns, wo wir jede Woche verschiedene Projekte mit ihnen machen, um ihnen Umweltschutz von klein an beizubringen
Cultural Exchange: Einmal die Woche besuchen wir eine andere Schulgruppe in Rosário da Limeira und stellen jedes Mal ein Land, zu dem wir eine Verbindung haben, vor. Dafür machen wir noch eine typische Speise, die wir alle zusammen verköstigen. Am Ende wollen wir, dass die SchülerInnen (und wir) eine Menge über neue andere Kulturen gelernt haben.
Auch wenn ihr auf meinen tollen Bildern immer tollen Regenwald seht, heißt das nicht, dass wir nichts zu tun haben, denn im gesamten Gebiet des ursprünglichen Regenwaldes von 1,2-1,3 Millionen km² (!) sind heute nur noch ~ 100 Tausend km² erhalten. Diese sind meist nur in kleinen separierten Flecken von Wald erhalten, was eine ausgeprägte Artenvielfalt und ein balanciertes Ökosystem behindert. Die meiste Fläche dazwischen ist Landwirtschaft, hier in Minas Gerais vor allem Kuhhaktung und Kaffeeanbau. Wie das aussieht, sieht man auf diesen Bildern ganz gut.


Eine effektive Methode, um den Lebensraum der Tiere verhältnismäßig einfach um einiges zu vergrößern, sind Waldkorridore, die die Flecken miteinander verbinden und somit zwei kleine zu einem großen Lebensraum machen.
Aber jetzt genug mit der Theorie und zurück zur Praxis, wie waren so meine ersten Tage? Wie bin ich angekommen? Wie sind die Menschen hier? …
In den ersten Tagen nach meiner Ankunft gab es für mich noch kaum Arbeit zu tun, da ich mich erstmal einfinden konnte. Am Donnerstag haben wir nämlich die berühmt berüchtigte „Robin Tour“ gemacht. Dabei fährt uns Robin, der Mitgründer von Iracambí, mit seinem Land Rover 2-3 Stunden durch die Gegend und erklärt uns verschiedenes zu Iracambí und der Umgebung. Beispielsweise, dass Minas Gerais ein sehr großer Kaffeeproduzent ist, der Kaffee aber selten nach Deutschland und Europa exportiert wird, da er wohl eine schlechtere Qualität hat. Das liegt wohl weniger an dem Klima und dem Boden und mehr an schlechter Verarbeitung (sortieren, trocknen, …). Außerdem hat er uns die Grenze des nahegelegenen Nationalparks (Serra do Brigadeiro) gezeigt und man sieht super gut, wie ab dort eine geschlossene Waldfläche beginnt, ganz ohne für Landwirtschaft gerodete Fläche.


Wegen der wirklich schlechten Straßen, hat mir mein Hintern nach der Tour zwar ziemlich wehgetan, da wir hinten nur auf Metall saßen, aber dafür hat es Spaß gemacht, mit dem Land Rover durch die Natur zu rasen und den Fahrtwind zu spüren. Aber Achtung vor den Ästen, die sollte man besser nicht ins Gesicht bekommen.
Am Freitag habe ich dann kurz für 1-2h in der Nursery gearbeitet (die Säckchen für die Setzlinge mit Erde befüllen), aber nach dem Mittagessen am Freitag haben wir schon Wochenende, also war das meine einzige Arbeit der Woche. Das Highlight der ersten Woche war dann am Wochenende, und zwar ein Besuch am Wasserfall. Dort mussten wir etwa 30 Minuten hinfahren, aber das müssen wir egal wo wir hin wollen immer. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn dort konnten wir baden =).

Leider wird man hier auch ohne zu baden/duschen schnell nass. Das liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze, weshalb wir alle tierisch schwitzen. Sprich, alles, wofür wir mehr als einen Finger krümmen müssen, lässt uns schwitzen. Das merkt man besonders bei Wanderungen, Feldarbeit in der Sonne oder gar Sport (völlig verrückt). Und das schlimmste daran ist, dass die Wäsche, die vom Waschen oder Schwitzen noch nass ist, nur in der Sonne gut trocknet (wir haben natürlich keinen Trockner :] ). Besonders schlimm ist es gerade in der Regenzeit (man höre in der Memo), da es jeden Tag regnen könnte, also muss man die Wäsche immer gut planen. Man merkt Feuchtigkeit ist unser Feind.
(Feuchtigkeit + Zeit –> Schimmel)
Naja, am gleichen Tag, an dem wir auch baden waren, haben Isabel und ich auch endlich die Drohne ausgepackt, die ich aus Deutschland mitgebracht habe. Die haben wir uns vorher zusammen gekauft. Und das Fliegen macht nicht nur extrem viel Spaß sondern produziert einfach unglaubliche Bilder, einfach wegen der anderen Perspektive. Ich finde ja auch die Videos spektakulär, da man so tolle Kamerafahrten mit der beweglichen Drohne machen kann. So sahen unsere ersten Bilder dann aus:
In der folgenden Woche habe ich dann regelmäßiger und länger gearbeitet. Häufig hier im Center, meist in der Nursery, aber teils auch auswärts. So haben Felix und ich die Seepromenade in Limeira begonnen zu begrünen. Dafür sind wir mit 12 Setzlingen dorthin gefahren und haben am Fußgängerweg neben dem See nach Gefühl die Pflanzen verteilt. Dabei wurde uns sehr schnell klar, dass 12 nicht nur viel zu wenig sondern im Prinzip unsichtbar sind. Zur Info es sollen etwa 200-300 Meter Fußgängerpromenade vollständig bepflanzt werden, bisher ist dort nur wildes Gras, das heißt für uns wartet dort noch einiges an Arbeit.
Wer uns dahin gebracht hat, ist Robin, er ist Mitgründer Iracambís und hat dementsprechend meistens das letzte Wort. Daneben ist er ab und an unser Taxi, aber sucht im Gegenzug überall nach Arbeit, die er uns aufbinden kann, wo wir ihn dann wieder als Taxi brauchen, damit er uns hin bringt. Er ist zwar nicht super gesprächig, hat aber sehr viel Ahnung, was unser Arbeitsfeld angeht, also Ökosystem Regenwald, Wiederaufforstung, Bergbaufirmen, etc. Er redet dann auch gerne darüber, wenn er mal dabei ist, und gestaltet das ganze so interessant, dass man ihm lange und gerne zuhört.
Ich könnte an dieser Stelle glaube ich ewig weiter schreiben (Essen, Biorythmus, Trinkwasser, Tiere, Entfernungen/Isolation,…), aber ich habe eh schon länger bis hierher gebraucht als gewollt. Denn hier überschlagen sich die Ereignisse im Moment ein wenig und zusätzlich hatte ich letzte Woche einen Trauerfall in meinem Freundeskreis, dehalb brauchte ich ein wenig Zeit bis ich etwas schreiben konnte und bis ich dann wusste was ich schreiben will. Ich beende den Blogeintrag also an dieser Stelle und fahre beim nächsten Mal dann hier fort. Ich hoffe es ist nicht zu unübersichtlich, ich lerne auch noch wie man gut bloggt.
Liebe Grüße aus Brasilien an euch alle und guckt mal auf Instagram vorbei, dort gibt es auch immer wieder Neues. Und natürlich die Galerie nicht vergessen, da sind auch super tolle Bilder und ein Album nur für Tiere =)
Euer Emil







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