Inzwischen genieße ich jeden Moment, den ich hier verbringe, denn wie sich herausstellt, ist ein Jahr schnell vorbei. Ich glaube, ich bin nicht der Erste, der das gelernt hat. Allerdings trifft das hier auf Iracambi besonders zu, denn zum einen bin ich ja nicht ein mal ein ganzes Jahr hier, sondern nur etwa 9,5 Monate. Und davon zieht sich zum anderen tragischerweise immer mehr Zeit ab, in der ich reise und die Chance nutze, das Land zu sehen. Immer wieder Kurztrips nach Juiz de Fora oder Muriaé, wegen Passangelegenheiten oder aus Sehnsucht nach Zivilisation. Dazu kommen Feiertage wie Weihnachten, als wir 1,5 Wochen am Strand von Cabo Frio lagen, oder Ostern, das wir gemütlich bei Familie von Isabel verbringen und 1 Woche weg sind, oder auch kurz vor meiner Rückkehr der Unabhängigkeitstag am 7. September. Dann noch unser verpflichtendes Zwischenseminar in Guaratuba, das ebenfalls eine Woche dauert plus die lange An- und Abreise, außerdem machen wir auch noch ganz simpel Urlaub und wollen die schönsten Ecken des Landes sehen, am Meer auf andere Gedanken kommen oder in wilden Städten neues Leben eingehaucht bekommen. So bleibt einfach kaum Zeit übrig in Iracambi, deshalb genieße ich die „langweilige“ Zeit genauso. Allerdings hat Charlotte mich dann gefragt, ob ich nicht einfach mitkommen möchte nach Rio, wo sie ihre Eltern trifft … ÜBERMORGEN! Und joa, was soll ich sagen, da sagt man nicht nein. Also habe ich mein Köfferchen gepackt und wir sind mit dem Omnibus nach Rio getuckert.

An der Raststätte

Die Busfahrten nach Rio sind immer sehr schön, da man an verschiedenen Landschaften vorbei fährt, neben Seenlandschaften (Bild) auch durch ein sehr großes Stück immer noch sehr gut erhaltenen Regenwald.

Das Airbnb, das Charlottes Eltern ausgesucht haben, war ein Traum, gelegen direkt an den Stränden der Copacabana und Ipanema und mit Blick auf Cristo Redentor. Am ersten Tag stand natürlich ein Pflichtbesuch an der Copacabana auf dem Zettel. Und auch wenn viele Menschen dort waren, hatte ich vom vielleicht berühmtesten Strand der Welt befürchtet, dass man kaum noch Sand sieht, weil überall Menschen sind. Auf jeden Fall war das nicht so, aber es war trotzdem sehr voll, womit der Strand dafür definitiv überzeugen kann, sind die Wellen und der Blick.

Die Wellen waren wirklich besonders. Mit Sicherheit mehrere Meter hoch und wenn sie dann brechen, formen sie einen wunderbaren Tunnel, bevor die Gischt in die Luft spritzt und unter tosendem Lärm in sich zusammenfällt. Ich weiß nicht, wo ich schon mal so schöne Wellen gesehen habe. Allerdings muss ich, wie viele andere auch, sagen, dass meiner Meinung nach Ipanema der schönere Badestrand ist als Copacabana, denn zum einen sind dort weniger Menschen und zum anderen ist das Wasser dort sauberer und man hat abends einen schönen Blick mit Sonnenuntergang. Und deshalb haben bei uns die Strandbesuche zur Tagesordnung gehört.

Eins der vielen Highlights in Rio war auf jeden Fall der Botanische Garten, denn der ist wirklich groß und schön. Es gibt viele Themengebiete zu Lebensräumen wie dem Atlantischen Regenwald, dem Amazonas, aber auch teilweise länderspezifische Bereiche mit japanischen Gärten und auch einen Kräutergarten mit medizinisch nutzbaren Pflanzen. Aber es gab nicht nur Pflanzen zu sehen.

Sondern auch kleine süüüüße Äffchen!! Meine ersten Affen in Brasilien! Für mich kam diese Entdeckung sehr überraschend, da wir ganz normal einen Weg gegangen sind und auf einmal sind die Äffchen vor uns aufgetaucht. Dort sind sie dann wild umhergehüpft, den Baum hoch, wieder runter, quer über den Weg, auf den nächsten Baum und wieder zurück. Dementsprechend schwer war es auch, sie zu fotografieren, aber immerhin waren sie sehr nah, was es deutlich einfacher gemacht hat. Es waren wohl Büschelaffen und sie waren wirklich klein, vielleicht 20cm groß, aber der Schwanz ist dafür umso größer. Ich habe die ganze Zeit über immer davon geträumt, einen Affen in freier Wildbahn zu sehen und auch wenn das nicht 100% freie Wildbahn ist, hat es mich sehr gefreut meinem Traum einen Schritt näher gekommen zu sein. Und das sollte auch nicht unser einziges Mal sein, dass wir Äffchen in Rio beobachten. Denn Charlotte und ich sind noch auf den berühmten Pão de Açúcar (Zuckerhut) gefahren und dort oben gibt es neben einer wirklich tollen Sicht auch eine schöne Parkanlage in der Tiere wild leben, darunter auch Affen.

Hochgefahren sind wir mit der zweiteiligen Seilbahn, die wirklich schnell oben ist. Und von dort oben hat man wirklich einen sehr schönen Blick über einige Teile Rios, Níteroi, die Christusstatue, die Guanabara Bucht und den Atlantik. Wie ich finde ist das sehr schön gemacht, da es neben den üblichen Souvenir- und Snackshops auch eine Parkanlage mit netten, interaktiven Infotafeln gibt, die von den meisten Touristen übersehen wird. Darum ist es dort auch noch sehr ruhig und das macht es für mich zum Highlight.

Und damit war mein spontaner Urlaub in Rio auch schon wieder schnell vorbei :(. Wir mussten nämlich weiterziehen in Richtung unseres Zwischenseminars, denn zum Freiwilliendienst mit weltwärts gehört midestens ein Seminar während des Auslandsaufenthalts, um ein Zwischenfazit zu ziehen und sich mit anderen Freiwilligen austauschen zu können. Aber bevor wir dahin komen haben wir am Wochende noch einen wichtigen Stopp in Campinas (Nähe São Paulo) gemacht. Der war nämlich, um Isabels Geburtstag zu feiern, denn wer sich erinnert, weiß, Isabel hat Familie dort und so wurden wir herzlich aufgenommen und konnten im etwas größeren Rahmen Isabels Geburtstag feiern.

Nach diesem netten und nötigen Zwischenstopp ging es dann endlich zum Zwischenseminar. Nach GUARATUBA! Das liegt in der Nähe von Curitiba und klingt auch ähnlich wie Curitiba, ist aber nicht Curitiba, sondern eben Guaratuba. Der Unterschied ist, dass Guaratuba kleiner ist und Curitiba nicht am Meer liegt, während Guaratuba ein Urlaubsörtchen mit Strand ist. Und dass unser Seminar in Guaratuba und nicht in Curitiba stattgefunden hat. Verstanden?

So sieht
Guaratuba aus

Auf dem Seminar haben wir insgesamt 12 andere Freiwillige getroffen. Sie sind zwar ebenfalls Teil des weltwärts-Programms, machen aber ganz andere Projekte als wir. Genauer gesagt machen sie alle Arbeit mit Kindern, dazu gehört vieles von Kinderheim bis Kindertagesstätte. Sie kommen auch aus anderen Teilen von Brasilien als wir, wobei der größte Unterschied wahrscheinlich der von Stadt zu Land ist. Dementsprechend hatten wir uns doch alle noch ganz viel Neues zu erzählen und konnten uns gegenseitig wieder neue Perspektiven aufgzeigen. Vor allem der große Unterschied in den Arbeitsfeldern war sehr interessant, da dementsprechend der Alltag ganz anders aussieht. Apropos Alltag: Während dem Seminar mussten wir uns, wie schon in Deutschland auf dem ersten Seminar, selbst versorgen. Dafür gab es eine große Küche, viele Leute und große Einkäufe.

Die Idee finde ich, super, da es von der Orga her die einfachste Option ist. Außerdem macht mir das Kochen einfach viel Spaß und deshalb helfe ich gerne dabei, besonders, wenn man zusammen mit anderen in der Küche steht und gute Musik hören kann. Wie schon gesagt, liegt Guaratuba direkt am Atlantik und hat schönen Badestrand, deshalb sind wir an vielen Tagen an den meist leeren Strand gegangen und haben gebadet und Spaß gehabt. Allerdings habe ich dort auch irgendwo meinen Ring verloren :(.

Inhaltlich hat sich das Seminar um unsere Erlebnisse und Erfahrungen der ersten Hälfte unseres Auslandsjahres gedreht. Wir haben in vielen Brainstormingsessions, Gruppenarbeiten und Redekreisen Revue passieren lassen und mehr. Wir haben zum Beispiel auch versucht, zu finden, was uns in den vergangenen Monaten Halt gegeben hat und was wir darauf bauen konnten. Das haben wir an einer süßen Metapher gemacht, und zwar anhand eines Baumes, wobei die Wurzeln uns den Halt geben auf dem wir über den Stamm und die Äste die Früchte tragen. Allgemein war das Ziel des Seminars aus der bisherigen Zeit zu lernen, was man selber gut oder weniger gut gemacht hat und was uns andere in dieser Zeit gegeben haben. Außerdem haben wir uns vor Augen geführt, was wir bisher schon alles erreicht haben, zum einen für uns selber aber auch für unser Umfeld bzw. die Umwelt.

Es war auch interessant für mich, zu sehen, was die Teamer jetzt anders gemacht haben als beim ersten Seminar, denn das Seminar in Deutschland wurde direkt vom VNB (meiner Entsendeorganisation) organisiert und das hier in Guaratuba von einer anderen Organisation. Von daher war es spannend zu sehen wie anders aber doch ähnlich viele Übungen waren.

Abschließend würde ich sagen, dass das Seminar inhaltlich (wirklich!) sehr interessant war und die Übungen sehr gut funktioniert haben, besonders Gruppenarbeiten hängen ja sehr von den anderen Menschen ab, aber auch die waren super motiviert und aktiv. Ich hatte nur das Gefühl, dass für mich ein so großes Zwischenfazit (noch) nicht nötig war, was aber auch daran liegen könnte, dass die meisten schon 3-4 Monate länger in Brasilien sind als ich. Ausschließlich positive Erinnerungen habe ich dafür auf jeden Fall an alle Leute, die mit dabei waren. Zum einen natürlich die anderen Freiwilligen, die nicht nur an unserem Projekt sondern auch an uns Menschen interessiert waren, und zum anderen die beiden Teamerinnen, die super lieb und zuvorkommend waren. Was aber schade ist, ist, dass es schwierig wird, die anderen Freiwilligen zu besuchen, da alle mindestens 6h und bis zu 25h von us entfernt wohnen. Dazu kommt, dass wir weder ein eigenes Auto haben, noch Auto fahren dürfen, deshalb müssen wir uns auf die Omnibusse oder Flugzeuge verlassen, was langsamer und oder teurer und klimaschädlicher ist. Mit dem Bus braucht man von hier nämlich eher 8h nach Belo Horizonte plus mindestens 1h Anfahrt zum Busbahnhof statt 6h mit dem Auto. Bis nach Porto Alegre braucht man dann 1 Tag und 12h. So viel dazu.

Nach den kurzen 5 Tagen Seminar in Guaratuba ging es dann für alle wieder zurück nach Hause. Nur nicht für uns, denn unsere lange Tour führt uns noch weiter nach Curitiba und zu den Wasserfällen von Iguaçu an der Grenze zu Argentinien und Paraguay. Nach dem Seminar sind wir dann aber eben erstmal fürs Wochenende in Curitiba, nicht mehr Guaratuba, geblieben. Mit dabei waren noch unsere neuen Freunde aus Curitiba und ein paar andere Freiwillige, die ebenfalls noch 1-2 Tage in Curitiba geblieben sind, denn das besondere war, dass (unter anderem) an diesem Wochende der Karneval in Brasilien war. Und deshalb hat auch Curitiba die Kostüme angezogen und Samba getanzt. Aber was genau wir dort noch gesehen haben und wie das alles aussah kommt leider erst mit dem nächsten Blog, denn ich schreibe jetzt schon seit einer Woche an diesem Blog und ich will euch ja auch nicht zu lange im Dunkeln lassen.

In diesem Sinne, seid gespannt und bis zum nächsten Mal.

Euer Emil


3 Antworten zu „Guaratuba, nicht Curitiba!“

  1. Avatar von A.L.
    A.L.

    Wieder einmal eine tolle Reise mit dir…ja, auch ich habe jetzt den Unterschied zwischen Curitiba und Guaratuba begriffen!
    Freue mich schon auf die Fortsetzung.

  2. Avatar von JD
    JD

    Hey Emil,

    dein Blogeintrag hat so viele Erinnerungen in mir wachgerufen – wie du weißt war ich im Sommer 2014 während der Fußball-WM in Brasilien und danach noch weiter in Südamerika unterwegs. Einiges habe ich genauso erlebt wie du. Besonders beim Vergleich Copacabana vs. Ipanema musste ich schmunzeln – ich fand Ipanema auch schöner, ruhiger und irgendwie stimmungsvoller. Die Wasserfälle von Iguaçu haben dich sicher genauso geflasht wie mich damals – das war für mich eines der beeindruckendsten Naturerlebnisse überhaupt. Bin schon gespannt auf deinen nächsten Eintrag!

  3. Avatar von
    Anonym

    Moin Emil,

    da wollte ich dir doch sofort antworten…und jetzt sind schon wieder zwei Wochen vergangen.
    Danke für deinen lebendigen Bericht, ich fühl mich fast ein bisschen, als wäre ich dabei.
    Gerade habe ich nochmal in den Tierfotoblog geschaut…das mit dem Weberknecht ist ein Witz, oder? Bisschen groß für einen Weberknecht und viel zu fett:)))…
    Dagegen ist der Skorpion ziemlich groß…
    Naja und so einen Affen würde ich auch gern mal aus der Nähe betrachten.
    Hier ist es Frühling geworden, unsere neue Mitbewohnerin Cleo (eine Siamkatze) hoppelt wie ein Häschen durch die Wohnung und erkundet den Balkon.
    Am Wochenende ist Ostern.
    Werdet ihr auch ein bisschen feiern? Vielleicht legt euch ja der Osteraffe ein paar Kokosnusseier ins Nest.:)
    Für heute viele Grüße

    Silka

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