Da bin ich schon wieder. Dieses Mal berichte ich von zwei weiteren Wochen in Iracambi. In der Zeit waren neben uns Deutschen noch zwei Studierende aus Schweden und eine Freiwillige aus den Niederlanden da. Beim letzten Mal habe ich vom kulturellen Austauschprogramm berichtet und wie wir Deutschland mit Marmorkuchen repräsentiert haben. Dieses Mal sind die Schweden dran, ihr Land vorzustellen.
Also haben die beiden eine Präsentation vorbereitet und damit sind wir wieder zu den SchülerInnen an der gleichen Schule gefahren.

Dort haben sie dann ein bischen die schwedische Sprache vorgestellt, erklärt wo sie aufgewachsen sind und natürlich auch Essen mitgebracht. Dieses Mal gab es Chokladboll. Wie man sich vielleicht denken kann, sind das schokoladige Bällchen, die den meisten SchülerInnen sehr gut geschmeckt haben. Darauf folgt meistens noch ein kleiner Austausch mit den SchülerInnen und ein frisch zubereitetes Pastel vom Imbisswagen. Wie schon letztes Mal gesagt, gefällt mir diese Aktivität mit den Kindern sehr gut, da wir ein bisschen mehr in Kontakt mit der Community kommen und ihnen auch etwas über unsere Herkunft mitgeben können.
Da wir ja jetzt schon bei Bildung sind, erfülle ich an dieser Stelle meinen Bildungsauftrag. Es geht um den Baum Pau-brasil, zu deutsch Brasilholz oder Pernambucoholz. Anders als man vielleicht denken könnte, ist nicht der Baum nach dem Land benannt sondern Brasilien hat seinen Namen vom Pau-brasil bekommen. Den Namen haben die Portugiesen der neuen Kolonie gegeben, da sie dort riesige Vorkommen von bereits aus Indien bekannten Rothölzern fanden. Der Name Pau-Brasil setzt sich aus „Pau“ für Stock oder Holz (umgangspraschlich wird „Pau“ auch für „Penis“ benutzt) und „brasa“ für glühend zusammen, da das Holz so rot ist, dass es aussieht als würde es glühen.



Des Weiteren ist der Baum in der IUCN Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft, da fast der gesamte Bestand, für die Nutzung des Farbstoffs im Holz, gefällt und nach Europa verschifft wurde. Das ist der vorletzte Stufe vorm Aussterben. Nachdem er vor einigen Jahren hier gepflanzt wurde, kommt der Baum auch bei uns in Iracambi vor, obwohl er eigentlich nicht in Minas Gerais vorkommt. Die Bilder habe ich 10m neben meiner Schlafhütte gemacht.
Da ich jetzt so viel über eine tolle endemische Art geredet habe, können wir auch wieder zum exotischen Kaffee übergehen ;). Bei Pierre haben wir auch im April noch geholfen, den Kaffee zu ernten und zu dieser Zeit waren die Kaffeekirschen wirklich perfekt reif, es gab kaum noch gelbe oder grüne Kirschen und sie ließen sich sehr einfach ablösen. Auf diese Weise haben wir an einem Vormittag einen halben Eimer vollgemacht. In der gleichen Zeit haben wir anfangs nur den Boden vom Eimer bedeckt.


Wie du vielleicht merkst, ist es ein enormer Aufwand, den Kaffee so von Hand zu pflücken. Aus diesem Grund machen die meisten Kaffeebauern das mit maschineller Unterstützung. In diesem Fall werden aber auch unreife Kaffeekirschen mitgeerntet, was zu einer schlechteren Qualität führt. Da Pierre versucht, die bestmögliche Qualität zu erreichen, hat er sich für diese Art der Ernte entschieden.



Während der Arbeit in der Agroforestry haben wir ein kleines Kolibrinest im Kaffee gefunden. Diese Pflanze und das Nest haben wir dann in Ruhe gelassen. Außerdem habe ich in Iracambi noch zwei sehr schöne Tiere gefunden. Einmal hier diese verrückte Raupe, die aussieht als wären Korallen auf ihr gewachsen. Sie wird wohl später zu einer Motte werden. Der Schmetterling daneben heißt auf portugiesisch „oito-oito“ also „acht-acht“, weil das Muster so aussieht. Es gibt verschiedene Spezies die dieses Muster haben, die schönsten haben sogar noch eine ganze Menge rot außen auf den Flügeln und von innen sind sie schwarz mit einem türkisblauen Streifen. Meiner Meinung nach sind das die schönsten Schmetterlinge, die hier rumfliegen.
Da viele immer fragen, was für Essen es denn hier gibt, zeige ich einfach mal eine typische Mahlzeit.

Die ersten zwei Töpfe sind, wie man der Größe nach urteilen kann, die wichtigsten, denn Reis und Bohnen gibt es jeden Tag zum Mittag- und Abendessen. Dazu gibt es noch verschiedenste Gerichte, die man sich dazu mit auf den Teller nimmt. Im Prinzip werden immer mehrere Gerichte zubereitet, die man dann zusammen auf einem Teller ist. An diesem Tag gibt es neben Reis und Bohnen ein Fleischgericht, Hackfleisch mit Gemüse, Nudeln mit Tomatensoße, gebackene Süßkartoffeln, Kürbis, Krautsalat und Kichererbsensalat. Es gibt mal mehr mal weniger Auswahl aber allgemein ist das Prinzip nicht wie in Deutschland, dass man eine Sache zubereitet, die für sich steht, sondern, dass man von allem etwas ist. Besonders Kohlenhydrate kommen bei Reis, Bohnen, Nudeln, Kartoffeln und häufig Maniok nie zu kurz.
Auch wenn das sehr abwechslungsreich klingt, ist es tatsächlich so, dass man das Essen schnell satt hat. Obwohl alles wirklich sehr lecker ist, wiederholen sich abgesehen vom Reis und den Bohnen alle Sachen spätestens nach 3-4 Tagen. Deshalb hat man doch das Gefühl immer das Gleiche zu essen. Deshalb machen wir ab und zu selber etwas anderes. Manchmal macht Isabel Brot fürs Frühstück oder Pizza am Wochenende und manchmal mache ich vegane Zimtschnecken.

Auch wenn sie hier noch ungebacken zu sehen sind, kann man sich glaube ich vorstellen, wie lecker sie waren. Jetzt aber wieder zurück an die Arbeit!

Die Tätigkeit die mich durch alle 10 Monate begleitet ist die Arbeit in der Nursery. Hier müssen die kleinen Bäumchen das ganze Jahr gepflegt werden. Aktuell entferne ich viele Raupen und ihre Eier von den Blättern. Auch wenn das natürlich ist, wollen wir ja, dass alle Setzlinge überleben, damit sie später möglichst schnell den Regenwald zurückbringen können. Zudem müssen die Setzlinge so beschnitten werden, dass sie möglichts schnell an Höhe gewinnen und ihre Kraft weniger in Seitentriebe stecken. Allgemein ist die Nursery ein schöner Ort zum Arbeiten, da es mitten im Grünen ist und wir auch noch direkt mit den Pflanzen arbeiten. Dort fühle ich mich sehr verbunden mit der Natur. Außerdem ist die Arbeit relativ meditativ und einfach.
Die Drohne kommt auch für Iracambi zum Einsatz, um bepflanzte Flächen sowie für Aufforstung geplante Flächen zu dokumentieren, da man sowohl die Größe als auch die Vegetation am besten von oben bewerten kann. Dabei hat uns Luís begleitet. Er ist der Koordinator der Wiederauffortsungsarbeit und hat den mit Abstand besten Überblick über alle Flächen, die mit Iracambís Programm etwas am Hut haben. An dem Tag sind wir mit dem Jeep durch die Gegend gefahren und haben zwei Felder fotografiert. Die Drohne ist also nicht nur für den Spaß da, sondern hilft uns auch bei der Arbeit.


Danach kommt erstmal keine weitere Arbeit auf mich zu, da sich das Osterwochenende nähert. Unser Plan für Ostern ist, wieder nach São Paulo zu fahren ud dort Ostern mit Isabels Familie zu verbringen. Dafür haben wir uns dann mal wieder mit dem Bus auf den Weg gemacht und sind über Nacht nach São Paulo gefahren.

Mit der lieben Kuh an der Raststätte verabschiede ich mich dann wieder. Wo und wie genau wir dann Ostern verbracht haben erfährst Du dann im nächsten Blog. Ich hoffe Dir hat auch dieser Beitrag gut gefallen. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.
Euer Emil

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