Nach langer Pause bin ich jetzt endlich wieder dabei, meinen Bolg zu füttern, bitte verzeiht die Abwesenheit, aber wir waren lange unterwegs und hatten dementsprechend wenig Zeit für langweilige Aktivitäten wie, einen Blog zu schreiben. Aber dazu später mehr, denn jetzt möchte ich chronologisch alles aufarbeiten, was in der Pipeline stecken geblieben ist. Also springt mit mir in die Zeitkapsel und lasst uns Anfang Februar wieder auftauchen.

Nachdem der erste Monat des Jahres recht unspektakulär und erholend ablief fängt der Februar gleich mit einem Mini-Trip an, denn ich musste aus Visumsgründen nach Juiz de Fora und mich offiziell bei der Bundespolizei anmelden. Dort haben wir dann das Stadt leben voll ausgekostet und … GEGESSEN!

Das ist eben so DIE Sache, nach der wir uns die meiste Zeit im Research Center sehnen: Abwechslungsreiches Essen. Das Essen ist zwar super lecker hier und vor allem bekomme ich jeden Tag genug veganes Essen, um satt und gesund zu werden, allerdings wiederholt sich das Essen recht oft und man kann sich nicht direkt aussuchen, was man bekommt. Da es sonst nichts Wichtiges mehr in Juiz de Fora gab, ging es für uns im Prinzip von dort direkt zurück aufs Feld bei Iracambi. Denn jetzt ist immernoch Pflanzsaison bevor die Trockenzeit kommt. Wir haben damit angefangen, die Löcher mit einem großen Bohrer zu bohren, da das von Hand extrem mühsam ist, solang der Boden noch nicht gelockert ist. Daraufhin kommt etwas Dünger und Kalk in das Loch, um den Boden nährstoffreich und weniger sauer zu machen.

Geplantes Loch
Gebohrtes Loch
Mit Dünger und Kalk
Neu geöffnet
Frisch gepflanzt

Hier sieht man dann die Chronologie eines Pflanzlochs. Nachdem Kalk und Dünger in das Loch gegeben wurden, wird das Loch erstmal wieder zugeschüttet. Erst, wenn die Setzlinge auch da sind und eingepflanzt werden, wird das Loch wieder mit einem „Erdlochausheber“ bzw. Cavadeira geöffnet. Dann muss nur noch der Setzling eingesetzt werden und das Loch sorgfältig geschlossen werden. Nach meinen persönlichen Berechnungen pflanzen wir (Iracambi) jährlich ~50.000x Setzlinge ein. Das geht allerdings nur, weil auch einige Feldarbeiter von Iracambi bezahlt werden, die den ganzen Tag auf dem Feld stehen. Würden nur die Freiwilligen an der Wiederaufforstung arbeiten pflanzen wir maximal 5.000 Bäume in der gleichen Zeit, da wir unerfahrenere und weniger Leute sind, die meisten Freiwilligen nur kurze Zeit da sind und wir auch noch viele andere Aufgaben verfolgen.

Eine nette Tradition innerhalb Iracambis ist es, am letzten Tag vor der Abreise von Freiwilligen ein gemeinsames Lagerfeuer zu veranstalten. Dabei wird Musik gespielt, Marshmallows gemacht, Caipirinhas getrunken und mehr.

Wenn es möglich ist, laden wir auch immer Freunde aus der Gegend ein, um entweder mit am Feuer zu sitzen oder zusammen einen Spieleabend zu machen (es wird UNO oder Phase10 gespielt). Das Problem dabei ist nur, dass das Research Center weit weg von allem ist und die Jungs irgendwie herkommen müssen. Zum Glück sind wir immer nett und deshalb kommen sie freiwillig mit dem Motorrad vorbei, nur für uns! Das freut mich immer sehr, da wir sonst wirklich sehr abgeschieden und abhängig von anderen sind, die uns fahren können. Deshalb schätze ich das sehr wert, dass die Jungs gerne vorbeikommen, um mit uns zu spielen, denn so bilden sich trotz der Widrigkeiten Freundschaften :).

Einer der wenigen Sonnenuntergänge
MIAAAAA

Nach der harten Arbeit auf dem Feld haben wir uns unsere Freizeit immer hart erarbeitet, deshalb sollte diese immer weise genutzt werden. Ein Tag, an dem wir das perfekt geschafft haben, war als wir Kayakfahren gegangen sind.

In einem der näherliegenden Dörfer gibt es eine Erlebnisagentur namens Verde Aventuras (grüne Abenteuer). Dort werden neben Kayakfahrten auch Biketouren, Hüttenübernachtungen, Quadtouren und Wanderungen angeboten. Wir haben uns aber wie gesagt für das Kayak entschieden und es hat sich auf jeden Fall gelohnt! Wir mussten uns zwar in zwei Zweiergruppen aufteilen, da es nicht genug Boote gab, aber dafür hat es trotzdem extrem viel Spaß gemacht. Teilweise hatte es sogar was vom Rafting. Wir sind den Fluss die ganze Zeit abwärts gefahren und wurden am Ende mit dem Auto zurückgebracht. Der Fluss ist enorm kurvig und hat an manchen Stellen auch starke Strömung. In einer Kurve bin ich sogar umgekippt, upsi. Allerdings kann man fast überall im Fluss stehen und so bin ich wieder schnell zurück ins Boot gekommen.

Dort konnte ich auch endlich mal wieder die Drohne fliegen lassen, was auch sehr viel Spaß gemacht hat und tolle Bilder produziert hat. Besonders der Flussverlauf kommt von oben sehr schön rüber wie ich finde.

Am gleichen Wochenende hat auch die erste „richtige“ Cavalgada stattgefunden, seitdem ich hier bin. Zuvor hatte ich ja auch schon von Cavalgadas geschrieben, aber das war etwas anders, denn der Reiterzug hat dabei gefehlt. Dieses Mal gab es diesen nämlich. Das heißt, wenn alle Leute da sind, um zu feiern, kommen die Reiter auf ihren Pferden in einer großen Gruppe alle gemeinsam zum Fest geritten. Allen voran reitet die „Königin“ der Cavalgada und führt den Reiterzug an. Danach treffen sich dann alle und feiern und tanzen zu lauter Musik.

Aber wir haben natürlich nicht für immer Wochenende und deshalb mussten wir bald wieder zurück an die Arbeit. Letztes Mal hatte ich ja beschrieben, dass ich bei meiner Arbeit an den Wanderwegen vom Wetter etwas behindert wurde. Das hat sich glücklicherweise geändert und wir konnten was das angeht ein wenig aufholen. Das heißt, wir haben die von den vielen Regenfällen verwilderten Wege wieder freigemacht und die Wege bezüglich Schwierigkeit und Ausschilderung beurteilt. Und das war auch bitter nötig, denn in der Zwischenzeit sind einige Äste und Bäume auf die Wege gefallen, die das Wandern erschweren, wie man sieht.

Dabei hatte ich unter anderem die Hilfe von drei britischen Jungs, die für ein paar Wochen da waren. Das war mal wieder eine willkommene Abwechslung, da sie etwa in meinem Alter waren und sehr locker und lustig drauf waren. Allgemein mag ich die Arbeit an den Wanderwegen gerne, da man sehr direkt in der Natur ist und immer wieder verrückte Tiere und Pflanzen entdeckt. Außerdem hilft es mir ein wenig, fit zu bleiben. Und außerdem macht es leider Gottes einfach Spaß, Sachen mit einer Machete zu zerschlagen. Dabei muss ich mich immer ein wenig zusammenreißen, nicht aus Spaß zu viel wegzuschneiden, denn die Devise ist natürlich immer, nur das Nötigste zu zerstören, da wir die Natur ja schützen wollen.

Beim nächsten Mal gibt es wieder einen Reiseblog über meine Reise nach Rio und das Zwischenseminar in Guaratuba.

Bis dahin und bleibt gesund

Euer Emil


2 Antworten zu „Von Food-, Kayak- und Wandertouren“

  1. Avatar von A.L.
    A.L.

    Wow, interessant zu sehen, wie solche Pflanzlöcher gegraben und die Setzlinge eingepflanzt werden. 50000 im Jahr….Respekt! Das klingt nach ner Menge Blasen an den Fingern.
    Die Drohnenbilder von der Paddeltour sind aber mein favourite, dieser mäandernde Fluss inmitten von Grün sieht einfach toll aus.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung!

  2. Avatar von JD
    JD

    Hey Emil,

    schön, dass dein Blog wieder Futter bekommt! Aber wenn die Alternative zu schreiben Kayak-Abenteuer, Cavalgada-Feiern und Essens-Exzesse in Juiz de Fora sind, dann sei dir die Pause natürlich verziehen.

    Ich freue mich schon auf den nächsten Eintrag – Rio und Guaratuba klingen nach dem nächsten großen Abenteuer!

    Bleib gesund und halte die Machete im Zaum! 😜

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