Anders als die meisten von euch es wahrscheinlich erlebt haben, war mein Weihnachten dieses Jahr warm, sonnig und hell (und ich war froh, dass hier kein Schnee lag), denn wir haben unser Weihnachten an der Küste Cabo Frios verbracht. Wir heißt dabei Charlotte, Felix und ich, also alle Langzeitfreiwilligen von Iracambi außer Isabel, die Weihnachten bei Familie verbracht hat. Wir sind am 23.12 von Iracambi früh morgens um 5 Uhr losgefahren und haben dann den Bus nach Rio genommen. Die Fahrt war ganz schön abenteuerlich, weil wir teilweise extremen Nebel und geschätzte 20-30 Meter Sichtweite hatten.

Aber unser Busfahrer hat sich wacker geschlagen und wir sind dann mit 1-2h Verspätung angekommen. Von Rio haben wir dann ein BlaBlaCar gefunden, dass uns die letzten 2h nach Cabo Frio mitgenommen hat. Aus den 2h wurden zwar schnell 3h, aber um 17 Uhr sind wir dann in unserem Airbnb angekommen und mussten erstmal einkaufen. In der Nähe vom Airbnb gab es zu Glück mehrere Einkaufsmöglichkeiten, unter anderem einen sehr großen, gut sortierten, vollen und etwas teureren Supermarkt. Dort haben wir dann erstmal über 2h eingekauft, weil wir uns währenddessen unser Weihnachtsmenü ausgedacht haben und schon auf Vorrat einkaufen mussten wegen bevorstehender Feier- und Sonntage. 500 Reais (~80€) und ~2,5h später waren wir also aus dem Supermarkt raus und haben uns nach dem Essen direkt ins Bett fallen lassen. Und am nächsten Morgen war dann schon der 24.12 und während wir nach dem Früstück an den Strand gingen, um das schöne Wetter zu nutzen, waren alle unsere deutschen Freunde schon bei ihrer Familie am Esstisch oder in der dunklen Kirche und feiern die heilige Nacht. Das war für mich das komischste, dass alle meine Freunde und Familie mir Stunden vorraus waren. Ich saß buchstäblich Mittags am Strand als meine Familie das Weihnachtsessen eröffnet hat.

Unseren Heiligabend haben wir dann im Airbnb verbracht und haben uns ein kleines Menü zusammengestellt.
Vorspeise: Maronensüppchen au piètinement
Hauptgang: Lasanha de abóbora
Nachspeise: Deutsche Elisenlebkuchen
Die Vorspeise war ein großes Abenteuer, denn beim Einkaufen haben wir Maronen gefunden und uns schnell geeinigt, damit etwas zu machen, ich wollte den anderen außerdem mal Maronensuppe zeigen, deshalb sollte es das werden. Allerdings haben sich uns einige Probleme in den Weg gestellt. Zuerst mussten die Maronen geschält werden, was mal gut mal weniger gut ging und bestimmt eine Stunde gedauert hat. Mithilfe von Brühwürfeln, Wein und Gemüse haben wir auch eine gute Brühe hinbekommen, allerdings zeigte sich dann das nächste Problem: Wir hatten keinen Mixer, weder Stabmixer noch Küchenmaschine, generell war unsere Küche mehr als sparsam ausgestattet. Wir hatten beispielsweise keine Suppenteller und nur einen Löffel. Nicht so gut, wenn man Suppe essen will :(. Auf jeden Fall habe ich dann mit einem Schaumlöffel das gegarte grobe Gemüse aus der Suppe geholt und auf einem Brett nach und nach zerstampft (deshalb au piètinement). Auf diese Weise hatten wir zumindest keine großen Stücke mehr, aber die Frühlingszwiebeln und das andere Gemüse haben sich kaum verändert. Geschmeckt hat es trotzdem, denn die Brühe war ja lecker.


Die Lasagne mit Kürbis hat weniger Probleme gemacht und es hat eigentlich alles funktioniert wie wir es wollten. Wir hatten dann Lasagne mit Bechamelsoße, Spinat, Tomatensoße und Kürbis. Da unser Gasofen zum Glück auch ohne Skala am Regler funktioniert hat, hatten wir dann eine leckere Hauptspeise.

Unser bescheidener Nachtisch war dann mein letztes Mitbringsel aus Deutschland: Elisenlebkuchen passend zu Weihnachten. Nach dem Essen haben wir dann nur noch geruht und den Abend ausklingen lassen.
Da der Wetterbericht eigentlich viel Regen und wenig blauen Himmel vorhergesagt hat, haben wir uns am nächsten Morgen sehr über die Sonne gefreut und diese gleich am Strand genutzt. So haben wir entspannt den Tag genossen und später dann sogar den Sonnenuntergang am Strand beobachtet.


Die nächsten Tage haben wir uns dann ein paar andere Strände angeschaut und häufig eingekauft. Irgendwie haben wir immer für umgerechnet fast 100€ eingekauft und am nächsten Tag war trotzdem wieder alles leer. Die Einkaufspreise waren zwar für brasilianische Verhältnisse hoch, aber irgendwo muss sich da doch schwarze Magie versteckt haben, anders kann ich mir das nicht erklären.
Das nächste große Highlight kam dann 2-3 Tage später: Wir waren tauchen, so richtig tauchen mit Sauerstoffflasche, Neoprenanzug und Flossen. Dafür gibt es einige Anbieter, die Anfängerkurse machen. Da wir alle keinerlei Erfahrung hatten, war das dann genau das Richtige für uns. Wir sind dann auf einem Boot mit Kapitän, Tauchlehrer, Fotografin, 3 anderen Tauchbegeisterten und noch einer Tauchlehrerin vor die Küste einer nahen Insel gefahren. Dort wurde uns unsere Ausrüstung genau erklärt und die Zeichensprache, die man vom Tauchen kennt, beigebracht. Als die Theorie geschafft war und die anderen Taucher schon das erste Mal im Wasser waren (die waren schon erfahren), waren wir an der Reihe. Unser Tauchlehrer konnte sich immer nur um 2 Lehrlinge kümmern, deshalb bin ich zunächst auf dem Boot geblieben und habe zugesehen.

Zuerst wude an der Oberfläche geübt, denn das Atmen mit Flasche ist total ungewohnt und muss geübt sein. Was besonders ungewohnt ist, ist, dass man aktiv ausatmen muss, da sonst die Luft aus den Lungen nicht entweicht und man keine frische Luft mehr einatmen kann. Klingt einfacher als es ist, wenn man das aber raus hat, ist das Tauchen gar nicht mehr schwer, denn mit dem Gewicht des Equipments, schwebt man im Wasser, man fühlt sich also als würde man fliegen. Nach 30-35min kamen die anderen dann wieder und ich durfte loslegen.
Wie beschrieben lief es dann auch bei mir ab, erst üben und dann runter. Unser Tauchlehrer ist dann quasi für mich geschwommen und hat mich durch die Gegend gezogen XD. Das war zwar ganz schön, um die Natur unter Wasser zu sehen, aber schon ein bisschen komisch, da ich wirklich gar nicht selber geschwommen bin. Die meiste Zeit lief auch sehr entspannt ab und wir sind gemütlich durch die Korallenriffe und Fischschwärme geglitten. Zweimal allerdings mussten wir auftauchen, denn aus meiner Flasche kam erst wenig, dann keine Luft mehr raus, das hört sich jetzt vielleicht gruselig an, aber in dem Moment habe ich das irgendwie entspannt gesehen. Ich weiß selber nicht wie, denn meine einzige Angst ist wahrscheinlich das Ertrinken bzw. Ersticken. Aber in dem Moment kam ich ganz gut damit klar, da wir auch schnell wieder an der Oberfläche waren. Das Problem haben wir dann einfach gelöst, indem wir mein Ventil an der Flasche wieder ein bisschen geöffnet haben, so dass wieder Luft rauskam. Die Frage war natürlich wieso das Ventil zugegangen ist und es hat sich dann rausgestellt, dass der Tauchlehrer, der mich wie erwähnt die ganze Zeit durch die Gegend gezogen und geschoben hat, mich dabei an der Flasche bzw. dem Ventil festgehalten hat und dabei unbewusst das Ventil zugedreht hat. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sowas eigentlich bei einer Organisation, die solche Touren extra anbietet, super unprofessionell und ein absolutes No-Go ist, denn es ist einfach gefährlich und beängstigend und man sollte ja denken, die wissen was sie tun. Abgesehen davon war aber alles toll. Es gab genug Essen und Trinken, wir mussten nichts selber mitbringen und die Atmosphäre auf dem Boot sowie das Wetter waren fantastisch. Eigentlich muss man für die Fotos von der Fotografin bezahlen, allerdings war das Wasser wohl so trüb, dass wir die Fotos freundlicherweise kostenlos bekommen haben:

Auf der Rückfahrt haben wir noch die schöne Sonne auf dem Deck genossen.
Die Tage danach waren erstmal wieder sehr entspannt. Wir haben viel im Airbnb gechillt und sind ab und zu zum Strand gegangen. Was man halt zwischen den Jahren so macht ;). Ich habe auch im Videoanruf mit meiner Familie einmal Gesellschaftspiele gespielt und das hat auch Spaß gemacht und war ein guter Zeitvertreib. Am 31.12 haben wir dann erstmal noch Plätzchen gebacken. Oder es zumindestens versucht. Naja, wir sind uns nicht sicher was genau das Problem war, der Ofen, das Mehl, das Vanilleextrakt, die Margarine oder wir? Danach war es dann auch schon Zeit für Silvester. Eine Tradition in Brasilien ist es, in der Silvesternacht weiß zu tragen und nur farbige Unterwäsche zu tragen, wobei die Farbe die Wünsche für das neue Jahr symbolisiert. Blau ist Weiheit, Gelb Reichtum, Grün Hoffnung, Rot Liebe und Leidenschaft und Weiß ist Frieden. So haben wir uns alle weiße Kleidung besorgt und sind zwischen 20 und 21 Uhr losgegangen, da wir noch etwas essen wollten und dachten, wir könnten schonmal ein bisschen in die Feierlichkeiten reingucken. Aber falsch gedacht, wir haben unseren Augen kaum getraut als wir gesehen haben, dass niemand auf den Strassen ist und der Strand aussieht wie eine Partylocation von gestern.

Wir haben schon befürchtet, dass in Brasilien der Jahreswechsel schon am Tag gefeiert wird, warum auch immer… Wir sind dann aber erstmal weiter gegangen zu einem Restaurant und haben gegessen. Auch das war merkwürdig, weil viele Restaurants mit großem Außenbereich zwar irgendwie offen aussahen, aber niemand saß dort, es war alles leer. Wir haben aber dann ein Restaurant gefunden, wo schon Leute saßen und wir bedient wurden, mit riesigen Portionen. Wir haben zwar alle nur etwa die Hälfte vom Essen geschafft, aber das war eigentlich ganz gut, denn wir hatten noch nichts zu essen für die nächsten Tage und man konnte dann auch wegen der Feiertage nicht mehr einkaufen. So hatten wir dann glücklicherweise noch länger was vom Essen. Ganz langsam hat sich dann auch die Gegend mit Menschen gefüllt, und zwar alle in weiß! So sind wir dann irgendwann wieder los und wollten uns schonmal Plätze auf einem Hügel sichern, um das Feuerwerk zu sehen. Auch wenn der Hügel leer war, sind wir schnell von dem Plan abgewichen, denn oben war es unaushaltbar voller Mücken. Wirklich nur dort oben auf dem Hügel gab es Mücken, sonst nirgendwo. Deshalb haben wir die restliche Zeit in der Menschenmenge am Strand gewartet, mit einem Caipirinha im weißen Gewand.

Kurz vor Null haben wir uns dann vorbereitet und uns die Schuhe ausgezogen, denn ein anderer Brauch ist es, über sieben Wellen zu springen, denn dann darf man sich für jede Welle etwas fürs Neue Jahr wünschen. Und um Mitternacht fing dann um uns herum viel Feuerwerk an und zwischen den Silvesterraketen sind wir dann ins Meer gerannt und mit vielen anderen über sieben Wellen gesprungen.

Und so ging es dann ein paar Minuten weiter, aber wurde auch schnell wieder weniger. Das liegt daran, dass in Cabo Frio kein öffentlich veranstaltetes Feuerwerk mehr stattfindet und auch das private Feuerwerk immer weiter eingeschränkt wird. Das wird ja auch in Deutschland Jahr für Jahr Thema. Mir hat es eigentlich gut gefallen, weil ich mich nie unsicher gefühlt habe und vor allem keinerlei Böller sondern nur Raketen gesehen habe. Das einzige, was ich schade fand, war, dass es eben kein organisiertes Feuewerk gab, da das ja wesentlich sicherer und schöner ist. Früher hatte Cabo Frio eine der größten organisierten Feuerwerkshows Brasiliens. Dieses Jahr hatten nur benachbarte Städte sowas organisiert, z. B. Arraial do Cabo, dort war ein sehr schönes 10-minütiges Feuerwerk über dem Wasser von Booten gestartet worden. Dass es so schön war, weiß ich, da man es sogar von Cabo Frio aus gesehen hat, aus etwa 10km Entfernung.
Auch wenn ich mir mehr Spektakel erhofft habe, was Feuerwerk angeht, fand ich dieses Silvester am Strand sehr schön, denn mit der Zeit waren auch immer mehr Menschen da, die alle in weiß den Beginn des neuen Jahres gefeiert haben. Da haben wir uns dann sehr zugehörig gefühlt. Durch das limitierte Feuerwerk konnte man auch seine Ruhe haben, wenn man das wollte, und es ging allgemein ziemlich freidlich-freundlich zu. Generell der Vibe von Silvester im Warmen am Wasser hat mir sehr gefallen. Bei Weihnachten bleibe ich lieber Zuhause im Kalten, aber Silvester könnte ich mir auch in Zukunft wieder am Strand vorstellen. Ich kann es nur empfehlen. Aber lasst euch nicht verwirren, es ist anscheinend normal, dass alle erst so ab 22 Uhr rausgehen obwohl es die ganze Zeit warm ist.
Am 2.1 sind wir dann schon wieder früh morgens aufgebrochen in Richtung Iracambi zurück zum Alltag. Das Einzige, das wir vorher noch gemacht haben war mal wieder einkaufen, allerdings nur beim Kiosk, da ja Feiertag war, und aufräumen. Auf dem Rückweg haben wir dann ein spektakuläres Gewitter gesehen. Das Besondere daran war, dass es weder geregnet hat noch gedonnert hat, aber die Blitze waren dafür umso stärker.
Unsere Heimreise war dann von Verspätungen, Verfrühungen, ausverkauften Bussen und langen Aufenthalten in Rio und Muriaé geprägt, aber long story short: wir sind nach ~16h unterwegs heile angekommen und haben sogar noch Essen bekommen =).
Und damit wünsche ich euch allen nachträglich nochmal ein Frohes Neues Jahr und viel Glück und Erfolg für 2025, ich hoffe ihr hattet schöne und entspannte Festtage, dort wo ihr euch wohl fühlt.
Euer Emil


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